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INDEX SCHWEIZER FILMSCHAFFENDE DER SCHWEIZER FILM

 
Bäckerei Zürrer
1957


 
 

Inhalt:
Die Gegend um die Zürcher Langstrasse herumist eine Welt für sich. Hier wohnen bunt zusammengewürfelt und dicht beieinander Schweizer und Italiener. Überwiegend sind es Arbeiter und Handwerker, die ihre eigene Sprache sprechen und in einer eigenen Atmospähre leben. In diesem Teil unserer Stadt spielt die Geschichte des Films.

Bäckermeister Zürrer, Hausbesitzer und Konditor, hat drei Kinder: Richard, der Älteste, der Stolz und Liebling des Vaters, ist nach misslungenem Studium mit Hilfe des Vaters zu einem autobesitzenden Kaufmann geworden. Trudi, der die Aufgabe zugefallen ist, für Haushalt, Geschäft und den Nachkömmling Heini zu sorgen, an dessen Geburt Frau Zürrer gestorben ist, versucht jetzt, kurz "vor Torschluss" über den nicht mehr ungewöhnlichen Weg eines Inserates einen Mann zu finden. Heini, der Jüngste, arbeitet als Bäcker, allerdings nicht sehr begeistert, bei seinem Vater. Sein Interesse gilt jedoch vor allem dem Velorennsport. Dort möchte er es einmal zu ertwas Grossem bringen. Diese Liebhaberei bringt ihn in Konflikt mit dem Vater. Dieser schilt Heini einen Taugenichts und wirft ihm vor, sich mit Gina, der Tochter eines italienischen Marronibraters und Gemüsehändlers heruzmzutreiben. Heini leidet unter der Haltung des Vaters, fühlt sich hinter Richard zurückgesetzt, umsomehr als all dessen wünsche vom Vater erfüllt werden, während er sein Taschengeld hart erarbeiten muss.

Gerade in einem Augenblick, als der 23-jährige Heini sich mit dem Vater ausgesöhnt hat, erfährt er von Gina, dass sie ein Kind von ihm erwarte. Seine Anständigkeit und die Liebe zu Gina geben ihm die Kraft und den Mut, dem Vater alles zu gestehen und nach einem heftigen Streit das Haus zu verlassen. Er bittet Ginas Vater um die Hand der Tochter und findet bei der Familie Pizzani auch Unterschlupf.
Er nimmt eine Stelle an, trainiert in der Freizeit aber weiter für Velorennen.
 

Die Mesalliance des Jüngsten ist ein schwerer Schlag für Herrn Zürrer. Aber noch Schlimmeres erwartet ihn. Er muss erfahren, dass Richard Konkurs gemacht hat und tief in Schuld steckt. In ener ernsten Auseinandersetzung wirft Richard dem Vater vor, das ganze Unglück verschuldet zu haben, indem er in seiner lächerlichen Eitelkeit etwas Besonderes habe aus ihm machen wollen. Zürrer ist tief gekränkt und fühlt sich von seinen Kindern verlassen, denn auch Trudi hat inzwischen einen Mann gefunden, den sie bald heiraten möchte.
Vater Zürrer zieht in ein Pensionszimmer und verschliesst sich vor der Umwelt.
 

Heini führt auf inständiges Bitten Ginas und seiner Geschwister die Bäckerei weiter und gibt freiwillig seine Rennfahrerpläne auf. Er setzt seinen ganzen Stolz darein, dem Vater seine Tüchtigkeit zu beweisen.

Der verbitterte Zürrer verkauft, um sich zu rächen, einem langjährigen Interessenten die Bäckerei auf Abbruch. Kurz vor Weihnachten und eben nach der Geburt von Heinis Sohn erreicht diese Nachricht die Familie. Grosse Enttäuschen und Empörung.
Trotz allem zieht es Zürrer in die Klinik zu seinem Enkel. Hier trifft er mit Pizzani zusammen und im Anblick des kleinen Erdenbürgers findet eine halbe Versöhnung statt. Zürrer bereut seine vorschnelle Handlung und macht den Verkauf des Hauses rückgängig. Er anerkennt jetzt auch die Leistung Heinis. So endet am Weihnachtsabend die Tragödie mit einem frohen und friedlichen Fest.

In das Leben dieser beiden Familien spielen auch die Schicksale der Famlie Berger und des Aussenseiters Fink, eines kauzigen Sonderlings, der in einem nicht alltäglichen Milieu lebt, hinein. Bergers wohnen im gleichen Hause. Herr Berger, ein ehemaliger Konditor, hat auf Schlagzeuger umgesattelt. Seit er mit billigen Orchestern im Lande herumzieht, ist in der Familie der Unfriede ausgebrochen. Doch im Verlaufe der Geschichte wird, ein wenig durch Zürrers Hilfe, dieses Familienleben wieder in ordentliche Bahnen gelenkt.
 
 
 


Original-Dialog-Liste 
vom November 1957 
(PDF)
Copyright: Praesens Film Zürich

Drehbuch zum Film 
vom 14. Mai 1957 
(PDF)
Copyright: Praesens Film Zürich

 
 
Mitwirkende:

Emil Hegetschweiler
Margrit Winter
Fred Tanner
Peter Brogle
Ettore Cella
Jürg Grau
Max Haufler
Ursula Kopp
Max Werner Lenz
Walter Morath
Armin Schweizer
François Simon
Helen Vita
Ellen Widmann

Regie: Kurt Früh

Drehbuch: Kurt Früh, Hans Mehringer

Musik: Walter Baumgartner

Kamera: Georges C. Silly

Produzent: Max Dora


 
 
Weitere Impressionen aus dem Film "Bäckerei Zürrer"
Copyright: Praesens Film Zürich

Szene mit Max Werner Lenz, Armin Schweizer und Max Haufler
(von links nach rechts)

Szene mit Emil Hegetschweiler und Ursula Kopp

Szene mit Ursula Kopp, Ettore Cella und Peter Brogle

Szene mit Ursula Kopp und Peter Brogle

Szene mit Emil Hegetschweiler

Szene mit Ursula Kopp und Peter Brogle

 
 

Kommentar:

Die Produktion "Bäckerei Zürrer" gilt als die beste Regie-Arbeit von Kurt Früh, der darin eine aktuelle Problematik aufgreift und diese in einer tragisch-komischen Geschichte erzählt. Gleichzeitig war dies der erste Film, den er nach seiner eigenen Idee realisierte, am Drehbuch selber half auch noch seine Frau und Schauspielerin Eva Langraf mit.
Zugleich stellt der Film eine Ehrerbietung an den Darsteller Emil Hegetschweiler dar, der damit seine wichtigste und zugleich persönlichste Rolle verkörperte. Vor seiner Laufbahn als Schauspieler schloss er als Konditor ab und führte auch ein eigenes Café im Zürcher Helmhaus.

Der Film, an Original-Schauplätzen in Zürich gedreht, ermöglicht dem heutigen Zuschauer einen Einblick in eine Zeit, die heute fremd geworden ist. Nebst der auch heute noch aktuellen Problematik der Immigranten bietet der Film zudem interessante Vergleichsmöglichkeiten der Langstrasse von damals zur heutigen, in dem das Café Memphis oder die Rennbahn in Oerlikon gefilmt wurden.
Die Lokalität der Bäckerei Zürrer ist heute übrigens ein Motoradgeschäft.