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| Stefan
Zweig
(1881-1942) |
Im
Februar 1942, zum Höhepunkt des Karnevals in Rio, haben sich Stefan
Zweig und seine Frau Lotte mit Vironal das Leben genommen. Die Beisetzung
glich einem Staatsbegräbnis.
Stefan Zweig wird als Sohn wohlhabender jüdischer Bürger in Wien geboren. Ohne grosse Motivation absolvierte er Schule und Studium. Seine eigentlichen Studien hatten erst mit seinen Reisen durch Europa begonnen und die innere Erziehung durch Freundschaften mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Generation. Er unternahm als Ruheloser Reisen durch ganz Europa, doch kehrte er stetig wieder nach Österreich zurück, seiner ursprünglichen Stätte.
Während dem ersten Weltkrieg wurde er dem
Wiener Kriegsarchiv zugeteilt, da er gemäss Musterung Kriegsuntauglich
war. Seine Aufgabe bestand darin, Kriegsgeschichten à la minute
zu schreiben, das heisst, dem Publikum kleine Kriegstaten novellistisch
garniert, rasch servieren.
Erst durch einen kurzen Aufenthalt an der Front
erkannte Zweig jedoch den Wahnsinn des Krieges und bezeichnete ihn als
den europäischen Selbstmord.
Während
seiner Zeit im Kriegsarchiv schrieb er seine erste dramatische Dichtung,
den "Jeremiahs". Das Stück wurde in Zürich uraufgeführt.
Dort begegnete Zweig dem Rotkreuzmitarbeiter Romain Roland, der ihn Richtung
Pazifismus entscheidend beeinflusste.
Nach der Zerstörung des österreichischen Reiches durch den Krieg galt es für Zweig, sich eine neue Welt aufzubauen. Hoch über Salzburg kaufte er sich ein Haus. 1920 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Friederike von Winternitz.
Stefan Zweig war ein energischer Fürsprecher für ein vereintes Europa. Zu Beginn der dreissiger Jahre quälten ihn schreckliche Vorahnungen, ausgelöst durch die politische Entwicklung. Kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten schrieb Zweig:
"Jede Art von Richtung Freiheit ist in Deutschland aufgehoben und es wird nur noch ganz kurze Zeit dauern, und Österreich wird das gleiche Schicksal haben. Alle national-antisemitischen Exzesse sind vorläufig nur da, um das Volk zu beschäftigen und auf billige Weise zu begeistern. Nach und nach wird die Regierung aussenpolitische Erfolge unbedingt brauchen, dann sehe ich wirklich verhängnisvolle Entwicklungen voraus".
Stefan Zweig sah die Kriegsgefahr deutlich vor Augen. Er unternahm weiterhin Reisen durch Europa, doch ahnte er noch nicht, dass dies eine Art Abschied war, als er sein Haus verliess. Wieder stand Stefan Zweig an einem Wendepunkt seines Lebens.
Wie die meisten Juden konnte auch er es nicht
fassen, dass er wegen seiner jüdischen Abstammung geächtet und
verfolgt würde.
1936 ging Zweig in die Emigration nach England.
Zwei Jahre später liess er sich von seiner Frau Friederike scheiden
und heiratete seine Sekretärin Lotte Altmann.
1940 verliess er England Richtung New York. Es ist ein Abschied von Europa, für immer. Da das Visum für das Ehepaar Zweig begrenzt war, reisten sie nach Brasilien, wo sie eine Daueraufenthaltsgenehmigung erhielten. Hoffnung auf einen neuen Anfang?
Doch der Verlust seiner Heimat Österreich und der geistigen Heimat Europa lösten in Stefan Zweig Depressionen aus. Der Mann ohne Land, wie er sich selbst bezeichnete, wollte nicht mehr leben.
"Es ist vorbei, Europa erledigt, unsere Welt zerstört und als 60jähriger ist man ohnehin doch schon unterhöhlt und halb erledigt, ich will nicht mehr, ich habe keine Jahrzehnte mehr vor mir, ich will sie nicht mehr haben".
Diese Worte unterstrichen er und seine Frau kurze Zeit später mit dem Doppelselbstmord.
50 Jahre später ist Europa auf dem Weg, sich
zu vereinigen. Wenn Stefan Zweig auch eher eine kulturelle Zusammenschliessung
Europas als eine wirtschaftliche, wie es sich heute abzeichnet, vorschwebte,
hat er in den Reihen derer, die Europa auf diesen Weg gebracht haben, seinen
Platz.
Stefan Zweig, der Autographensammler
Was weniger bekannt ist von Stefan Zweig ist die
Tatsache, dass er ein begeisterter Autographensammler war. Die ersten Stücke
seiner so berühmt gewordenen Sammlung erwarb er schon als Gymnasiast.
Er sammelte als 15jähriger zunächst
Autogramme, und mit unverhohlenem Stolz zeigte er noch nach Jahren die
Strassenecke, an der er zum erstenmal eine grosse Persönlichkeit -
es war Johannes Brahms - um dessen Unterschrift gebeten hatte.
Wenig später kaufte er sich von seinem ersparten
Geld ein kleines Hebbel-Manuskript. Damit war der Schritt vom Autogramm-
zum Autographensammeln getan, und jedes neue Blatt öffnete dem jungen
Menschen einen Blick in die Werkstatt der Dichter.
"Was ich suchte, waren die Urschriften oder Entwürfe von Dichtungen oder Kompositionen, weil mich das Problem der Entstehung eines Kunstwerkes sowohl in den biographischen wie in den psychologischen Formen mehr als alles andere beschäfigt. Jene geheimnisvollste Sekunde des Übergangs, da ein Vers, eine Melodie aus dem Unsichtbaren, aus der Intuition eines Genies durch graphische Fixierung ins Irdische tritt, wo anders ist sie belauschbar, überprüfbar als auf den durchkämpften oder wie in Trance hingejagten Urschriften der Meister?".
Solche Werkblätter wurden eigentlicher Kern der Sammlung Stefan Zweigs. Er wurde mit der Zeit ein ausserordentlicher Fachmann auf dem Gebiet der Autographen und besass später nahezu viertausend Autographenkataloge; diese notwendigen Nachweise, die für den Sammler bei den Angeboten der Händler wichtig sind. Für Stefan Zweig waren sie ein Nachschlagwerk von ganz besonderem Wert.