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(1850 - 1914)
Die übermächtige Tante

Brandon ThomasDer Schriftsteller Brandon Thomas wurde als Walter Brandon Thomas in Liverpool geboren.

Da seine Familie in armen Verhältnissen lebte, musste er schon als Jugendlicher als Werftarbeiter Geld verdienen. Er arbeitete unter anderem als Schiffszimmermann und studierte nebenbei Maschinen- und Schiffbau. Zudem betätigte er sich auch als Gelegenheitsjournalis. Bis 1875 arbeitete er als Buchhalter für einen Holzhändler.

Doch schon früh kam in ihm auch der Wunsch auf, sich schauspielerisch zu betätigen und er bemühte sich vermehrt in diese Richtung - ein Ansinnen, das sein Vater nicht goutierte.

1870 trat er erstmals als Amateur-Schauspieler auf.
Ab 1879 erhielt er ein Engagement am Court Theater in London für das Stück "The Queen's Shilling" und startete damit seine professionelle Schauspielkarriere. Er wurde ein begehrter Charakter-Schauspieler auf der Bühne und schrieb bald auch eigene Stücke und verfassste Revuen.
Das erste aufgeführte Bühnenstück, das aus Brandon Thomas' Feder stammte, war "Comrades" und wurde 1882 uraufgeführt.

1885 ging er mit Rosina Vokes' Theatergruppe auf eine Amerikatour und kehrte erst Mitte 1886 wieder nach England zurück.
Danach setzte er seine Bühnenlaufbahn wieder in England fort, u.a. mit "Sweet Lavender".

1891 erlebte er einen ersten grossen Erfolg, als er Geld in drei Einakter investierte, in denen er selber mitwirkte und eines auch selber schrieb. Die Aufführen waren sehr erfolgreich und der Verdienst als Mitproduzent konnte sich für Brandon Thomas sehen lassen.

Heute ist der Name Brandon Thomas nur noch wenigen Leuten ein Begriff, doch sein berühmtestes Bühnenstück, das er zu Papier brachte, ist bis heute äusserst beliebt und bei vielen bekannt.
Die Rede ist von "Charleys Tante", welches er 1892 verfasste.

Das Stück wurde auf Anhieb ein grosser Erfolg und erfreute sich grosser Beliebtheit. "Charleys Tante" brach sämtliche bis dahin aufgestellten Rekorde von Bühnenstücke und machte Brandon Thomas zu einem reichen und unabhängigen Zeitgenossen.

Was 1892 in London begann, fand 1893 in den USA und 1894 in Deutschland und Frankreich seine Fortsetzung. Von da aus eroberte das Stück den Rest der Welt. Die Geschichte wurde bis heute in 28 Sprachen übersetzt und in über 70 Ländern aufgeführt.

Diesen enormen Erfolg konnte er in den nachfolgenden Jahren nicht mehr wiederholen - unter anderem schrieb er später Stücke wie "Marriage" (1892), "22a Curzon Street" (1898), "Women Are So Serious" (1901) und "Judge's Memory" (1906) - doch konnte er damit gut leben.

Er setzte seine Laufbahn als Schauspieler und Autor bis zu seinem Tod fort, wobei er meist in Komödien spielte und nur gelegentlich auch ernste Rollen spielte, u.a. in Stücken von Shakespeare. Zu seinen erfolgreichen Auftritten gehören "Rosencrantz and Guildenstern" (1892), "The Rivals" (1895), "The Eternal City" (1902) und "Richard II" (1903).

Es dauerte nicht lange, da hatte das junge Medium Film den Stoff von "Charleys Tante" für sich entdeckt. Die erste Verfilmung entstand in Italien unter dem Titel "La zia di Carlo" (13) von Regisseur Umberto Paradisi.

1914 verstarb Brandon Thomas  im Alter von 64 Jahren. "Charleys Tante" sollte ihn aber lange überleben und in den kommenden Jahrzehnten entstanden unzählige Verfilmungen basierend auf seinem Bühnenstück.

Dazu gehören "Charley's Aunt" (25) mit Syd Chaplin in der Titelrolle, "Charley's Aunt" (26) mit Elis Ellis, "Charley's Aunt" (30) mit Charles Ruggles, die erste deutsche Verfilmung "Charleys Tante" (34) mit Fritz Rasp, die erste französische Verfilmung "La marraine de Charley" (36) mit Lucien Baroux, die erste Fernsehadaption "Charley's Aunt" (38) mit John Wood, "Charley's (Big Hearted) Aunt" (40) mit Arthur Askey, "Charley's Aunt" (41) mit Jack Benny, "La zia di Carlo" (43) mit Erminio Macario, die erste schwedische Verfilmung "Fram för lilla Märta" (45) mit Stig Järrel, die erste argentinische Verfilmung "La tia di Carlos" (46) mit Gogo Andreu, "La tia di Carlitos" (52) mit Juan Carlos Altavista, "Where's Charley?" (52) mit Ray Bolger, "Charleys Tante" (56) mit Heinz Rühmann, die erste finnische Verfilmung "Charleyn täti" (58) mit Esko Salminen, "La marraine de Charley" (59) mit Albert Michel, die erste dänische Verfilmung "Charles' tante" (59) mit Dirch Passer, die erste belgische Verfilmung mit "Waar is Charley?" (60) mit Wies Andersen, "Charleys Tante" (63) mit Peter Alexander, die erste spanische Verfilmung mit "La tia de Carlos en midi-falda" (66) mit Cassen, "Charleys Tante" (76) mit Jörg Pleva, "La tia de Carlos" (82) mit Paco Martinez Soria, "Charley's Aunt" (83) mit Charles Grodin, die erste ungarische Verfilmung "Charley nénje" (86) mit Janos Galvölgyi, "Charleys Tante" (96) mit Thomas Heinze und die erste holländische Verfilmung "De tante van Charlie" (06) mit Jon van Eerd.