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(1908 - 1984)
Zum Tode verurteilt, zum Leben berufen

Edzard SchaperDer Schriftsteller Edzard Schaper erhielt in seiner Jugend Klavierunterricht am Konservatorium für Musik und kam 1925 als Regieassistent an die Oper von Stuttgart.

Doch schon bald zog es ihn nach Dänemark, wo er bis 1929 auf der Insel Christianso lebte. In dieser Zeit entstanden auch seine ersten schriftstellerischen Arbeiten, u.a. "Der letzte Gast" (27) und "Die Bekenntnisse des Försters Patrik Doyle" (28).

In den nächsten Jahren nahm Edzard Schaper verschiedenste Jobs an, u.a. als Gärtnergehilfe und als Matrose.

1932 ging er nach Estland, da er kurz zuvor seine zukünftige Frau Alice Pergelbaum in Berlin kennenlernte, die in Estland wohnte. Er liess sich dort nieder und arbeitete als freier Journalist und Schriftsteller für die amerikanische Nachrichtenagentur United Press.
Hier entstanden seine ersten erfolgreiche Romane mit "Die Insel Tütarsaar" (33), "Erde über dem Meer" (34), "Die sterbende Kirche" (35) und "Der Henker" (40).
Seine Bücher wurden auch in Deutschland publiziert, obwohl er bereits 1936 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen wurde und seine Bücher eigentlich verboten waren.

Die politischen Unruhen in Europa gingen auch an Edzard Schaper nicht spurlos vorbei. Als die Sowjetunion Estland besetzte, musste er 1940 aufgrund seiner Beschäftigung bei United Press nach Finnland fliehen, wo er als Kriegsberichterstatter arbeitete und über den dortigen sowjetischen Einmarsch schrieb.

In Finnland stand Edzard Schaper unter Beobachtung durch die Polizei, schliesslich spitzte sich die politische Lage derart zu, dass ihm die deutsche Botschaft in Helsinki den Pass entzog und ein Verfahren gegen ihn auslöste. Der Vorwurf: Entziehen der Erfüllung des Wehrdienstes und Unterstützung des Feindes während eines Krieges.
Edzard Schaper wurde daraufhin in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Im September 1944 gelang Edzard Schaper die Flucht nach Schweden, wo er sich die nächsten drei Jahre versteckte und als Holzfäller und als Helfer im Krankenhaus arbeitete.

Ruhe und Sicherheit kehrten 1947 ins Leben von Edzard Schaper, als ihm Freunde aus der Schweiz die Einreise in ihr Land ermöglichten.
Nun konnte er sich vollumfänglich seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmen und er veröffentlichte in den nächsten Jahren zahlreiche Romane, gleichzeitig machte er sich mit seinem Essay "Auch wir sind Europa" stark für die nun besetzten Länder Estland, Lettland und Litauen.

Zu seinen Romanen dieser Jahre gehören "Der letzte Advent" (49), "Die Freiheit des Gefangenen" (50), "Die Macht der Ohnmächtigen" (52), "Der Gouverneur oder Der glückselige Schuldner" (54), "Die letzte Welt" (56), "Attentat auf den Mächtigen" (57) und "Das Tier oder Die Geschichte eines Bären, der Oskar hiess" (58).

Zu seinen letzten literarischen Arbeiten gehören "Der vierte König" (61), "Der Aufruhr des Gerechten" (63), "Am Abend der Zeit" (70), "Taurische Spiele" (71), "Sperlingsschlacht" (72), "Degenhall" (75) und "Die Reise unter den Abendstern".

Einige Bücher von Edzard Schaper wurden für das Fernsehen verfilmt mit "Der Gefangene der Botschaft" (64) mit Mathias Wieman, Willy Birgel, Peter Arens und Annemarie Blanc sowie "Attentat auf den Mächtigen" (69) mit Claudia Wedekind, Volker Brandt und Harry Wüstenhagen.

Zu Edzard Schapers zahlreichen Auszeichnungen gehören der Fontane-Preis der Stadt Berlin, der Charles-Veillon-Preis, der Gottfried-Keller-Preis und die Goldene Medaille der Humboldt-Gesellschaft sowie der Konrad-Adenauer-Preis für Literatur.