 
Alle Filme von Joe May: (R = Regie, DB = Drehbuch,
P = Produktion, A = Filmausstattung, S = Schnitt)
Die Fahrt nach Hamburg (1911, R) In der Tiefe des Schachtes (1912,
R, DB) Vorgluten des Balkanbrandes (1912, R, DB) Ein Ausgestossener (1913,
R, DB) Entsagungen (1913, R) Heimat und Fremde (1913, R, DB) Das Fischermädchen
von Manholm (1913, R) Das verschleierte Bild von Gross-Kleindorf (1913,
R) Die Mona Lisa von Gross-Kleindorf (1913, R) Die unheilbringende Perle
(1913, R) Geschwister (1913, P) Das Werk (1913, P) Verhängnis (1913,
P) Die geheimnisvolle Villa (1914, R) Der Mann im Keller (1914, R) Der
geheimnisvolle Nachtschatten (1914, P) Der Spuk im Hause des Professors
(1914, R) Das Panzergewölbe (1914, R, DB, P) Charly, der Wunderaffe
(1915, R, DB) Das Gesetz der Mine (1915, R, DB) In der Nacht... (1915,
DB, P) Sein schwierigster Fall (1915, R, DB, P) Der Geheimsekretär
(1915, R, DB, P) Die Gespensteruhr (1915, R, DB, P) Die Sünde der
Helga Arndt (1915, R, DB, P) Nebel und Sonne (1916, R, DB, P) Ein Blatt
Papier (1916, R, DB, P) Ein einsam Grab/Die Tat der Gräfin Worms (1916,
DB, P, A) Die Stieftöchter (1916, P) Der Floh-Zirkus (1916, P) Wie
ich Detektiv wurde (1916, R, DB, P) Das rätselhafte Inserat (1916,
DB, P) Arme Eva Maria (1916, R, DB, P) Die leere Wasserflasche (1917, R,
DB, P) Die Silhouette des Teufels (1917, DB, P) Die Liebe der Hetty Raymond/Des
Vaters letzter Wille (1917, R, DB, P) Die Hochzeit im Excentric-Club (1917,
R, DB, P) Ehre (1917, R, P) Hilde Warren und der Tod (1917, R, P) Krähen
fliegen um den Turm (1917, R, DB, P) Der Onyxknopf (1917, R, DB, P) Der
schwarze Chauffeur (1917, R, DB, P) Das Klima von Vancourt (1917, R, DB,
P) Die Kaukasierin (1917, R, DB, P) Ein Lichtstrahl im Dunkel (1917, R,
DB, P) Sein bester Freund (1918, DB, P) Der lebendige Tote (1918, DB, P)
Wogen des Schicksals (1918, DB, P) Opfer (1918, R, DB, P) Fünf Minuten
zu spät (1918, DB, P) Ihr grosses Geheimnis (1918, R, DB, P) Die Ratte
(1918, DB, P) Das rollende Hotel (1918, P) Das Geheimnis der Cecilienhütte
(1918, P) Die Bettelgräfin (1918, R, DB, P) Diplomaten (1918, P) Die
platonische Ehe (1918, DB, P) Die Krone von Palma (1918, P) Das Auge des
Götzen (1918, P) Veritas vincit/Die Wahrheit siegt! (1919, R, P) Die
närrische Fabrik (1919, DB, P) Der Muff (1919, P) Der blaue Drachen
(1919, P) Fräulein Zahnarzt (1919, R, DB, P) Der Amönenhof (1919,
P) Herrin der Welt (1919, R,DB, P) Der Henker von Sankt Marien (1920, P)
Die Legende von der heiligen Simplicia, R, P) Die Schuld der Lavinia Morland
(1920, DB, P) Das wandernde Bild (1920, P) Die Frauen vom Gnadenstein (1920,
DB, P) Junge Mama (1921, DB, P) Der Leidensweg der Inge Krafft (121, DB,
P) Tobias Buntschuh (1921, P) Am Webstuhl der Zeit (1921, P) Die Erbin
von Tordis (1921, P) Das indische Grabmal: 1. Die Sendung des Yoghi; 2.
Der Tiger von Eschnapur (1921, R, P) Ilona (1921, P) Scheine des Todes
(1922, P) Tragödie der Liebe (1923, R, P) Der geheime Agent (1924,
P) Die Liebesbriefe der Baronin von S... (1924, P) Der Farmer aus Texas
(1925, R, DB, P) Derby (1926, P) Staatsanwalt Jordan (1926, P) Dagfin (1926,
R, DB, P) Die Durchgängerin (1928, P) Heimkehr (1928, R, DB, S) Ungarische
Rhapsodie (1928, DB) Asphalt (1929, R, DB) Maman Colibri/Irene Rysbergues
grosse Liebe (1929, DB) Der unsterbliche Lump (1930, P) Die letzte Kompagnie
(1930, P) Ihre Majestät die Liebe/Du bist nicht die Erste (1930, R,
P) Son altesse l'amour (1931, P) ...und das ist die Hauptsache/Eine Ballnacht
(1931, R, P) Paris - Méditerranée (1932, R, P) Zwei in einem
Auto/Eine Reise ins Glück (1932, R, P) Ein Lied für Dich (1933,
R) Tout pour l'amour (1933, R) Du bist für mich die schönste
Frau (1934, R) Die Privatsekretärin heiratet (1934, R, DB) Music in
the Air (1934, R) Confession (1937, R) Society Smugglers (1939, R) The
House of Fear (1939, R) The Invisible Man Returns, R) The House of the
Seven Gables (1940, R) You're Not So Tough (1940, R) Hit the Road (1941,
R) The Strange Death of Adolf Hitler (1943, Co-Regie) Johnny Doesn't Live
Here Any More (1944, R)
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Den deutschen Stummfilm entscheidend mitgeprägt hatten ohne Zweifel
Joe, Mia & Eva May.
Joe May, der als Julius Otto Mandl 1880 in Wien geboren wurde, zählte
zu den führenden Regisseuren des deutschen Films. Seine Frau Mia und
die gemeinsame Tochter Eva agierten sehr erfolgreich als Schauspielerinnen.
Joe ging keiner geregelten Arbeit nach, sondern übte einen Job
nach dem anderen aus (u.a. war er Autohändler und Feuerzeugvertreter).
Im übrigen lebte er von den Zinsen eines Vermögens, das seine
Eltern zusammengetragen hatten.
1902 heiratete er die Operettensängerin Maria Pfleger, die damals
unter dem Künstlernamen Herma Angelot auftrat. Nach der Heirat pausierte
seine Frau für einige Jahre und man hätte wohl weder von ihr
noch von ihm je wieder etwas gehört, wenn Joe May nicht sein ganzes
Vermögen durch Spekulationen verloren hätte.
Aus diesem Grund nahm seine Frau 1911 ein Engagement in Hamburg an,
wo sie in der Operette "Clo-Clo" mitwirkte. Sie legte sich dort den Künstlernamen
Mia May zu.
Joe folgte ihr, und dies war der Schicksalsweg, der ihn zu einer grossen
Filmkarriere führen sollte.
Da das Stück, in der Mia spielte, infolge der Umbauten lange Pausen
in den Zwischenakten hatte und das Publikum dadurch oftmals nicht wusste,
ob das Stück nun fertig sei oder weitergehen würde und daher
manchmal scharenweise zu früh das Theater verliessen, hatte Joe die
Idee, während den Pausen einen Film mit den Darstellern des Stückes
zu zeigen, um die Wartezeit zu überbrücken. Obwohl er keine Filmerfahrungen
hatte, konnte er sein Projekt verwirklichen.
Dieser Film ebnete ihm den Weg zu der Continental-Filmkunst GmbH, wo
er seinen ersten richtigen Film als Autor und Regisseur realisieren konnte
- "In der Tiefe des Schachtes" (1912) - wo Mia May zugleich ihren ersten
Auftritt als Filmschauspielerin hatte.
Da seine Frau bereits als Mia May bekannt war, entschloss sich Joe,
den Künstlernamen seiner Frau anzunehmen und passte auch gleich noch
seinen Vornamen dem Englischen an. Joe May war geboren. Dies war einer
der sehr seltenen Fälle, wo der Ehemann den Künstlernamen seiner
Frau annahm.
Ende 1913 lancierte Joe May die ausserordentlich erfolgreiche Detektiv-Serie
"Stuart Webbs" (mit Ernst Reicher in der Hauptrolle - die Rolle
machte Reicher derart berühmt, dass er bei Autogrammwünschen
nebst seinem Namen auch gleich noch mit Stuart Webbs unterschrieb).
1915 zerstritten sich May und Reicher, daher sah sich Joe gezwungen,
eine neue Detektivfigur ins Leben zu rufen. "Joe Dobbs" eroberte danach
die Leinwand, diesmal dargestellt von Max Landa.
Joe May machte sich als Regisseur und Produzent selbständig und
gründete 1915 die May-Film GmbH.
Nach dem ersten Weltkrieg kam der Film "Veritas Vincit" in die Kinos.
Darin wurden Episoden aus der Römerzeit, dem Mittelalter und der Gegenwart
verknüpft; alle drei Hauptrollen dieser verschiedenen Epochen wurden
wie so oft von Mia May verkörpert. Durch den riesigen Erfolg des Filmes
ermutigt, drehte Joe May als nächstes den achtteiligen Film "Herrin
der Welt" (1919), der ebenfalls hoch in der Gunst des Publikums stand.
Ein weiterer Meilenstein setzte er mit der Inszenierung von "Das indische
Grabmal" (1921) nach dem Drehbuch von Thea von Harbou und Fritz Lang.
Doch dann traf die Familie May ein folgenschwerer Schicksalsschlag.
Mitten in den Dreharbeiten zu "Der Farmer aus Texas" erreichte Joe May
die Nachricht vom Selbstmord seiner Tochter Eva. Als Filmprofi war Joe
gezwungen, in aller Eile alles zu organisieren, damit die Dreharbeiten
während seiner Abwesenheit reibungslos weiterlaufen konnten. Das Filmgeschäft
war hart, es standen Millionen auf dem Spiel, dem war sich auch Joe May
bewusst. Er konnte seinen von Schmerzen erfüllten Gefühlen nicht
nachgeben und musste sich durch diese Phase durchbeissen, ehe er zu seiner
Frau eilen konnte.
In der Folgezeit stürzte er sich vermehrt in seine Arbeit, und
er drehte und produzierte viele Filme, die auch vom Publikum honoriert
wurden, unter anderem auch 1930 seinen ersten Tonfilm als Regisseur mit
"Ihre Majestät die Liebe." Ende der 20er Jahre verfasste Joe May auch
Drehbücher unter dem Pseudonym Fred Majo.
1934 wurde May nach Hollywood engagiert, wo er "Music in the air" drehte.
Dieser Filme wurde genau wie "Confession" (1937) ein Misserfolg. Er bannte
"The Invisible Man Returns" und "You're Not So Tough" (beide 1940) auf
die Leinwand. Seine letzte Regiearbeit lieferte er mit "Johnny Doesn't
Live Here Any More" (1944) ab.
Was einen Erfolgsfilm ausmacht, definierte Joe May 1928 folgendermassen:
"Ich habe mich von Anfang an bemüht, den weltmachtfähigen
Grossfilm zu schaffen, der absoluten Anspruch auf Filmkunst erhebt und
doch gleichzeitig den berechtigten Wünschen des Publikums auf Spannung
und Unterhaltung gerecht wird. Meiner Ansicht nach sind die Voraussetzungen
für einen Erfolgsfilm folgende: Man nehme eine spannende Handlung,
füge eine gewisse Beimischung von humoristischen Szenen sowie auch
von starken Sensationen hinzu. Man vermeide aber, durch allzuviel Sensation
diese Mischung zu verderben, denn jede Sensation, die lediglich um ihrer
selbstwillen da ist und nicht logisch aus der Handlung des Films hervorgeht,
hat ihre Berechtigung verloren und wird störend empfunden."
Joe May starb 1954.
 
Alle Filme von Mia May:
In der Tiefe des Schachtes (1912) Ketten der Vergangenheit (1913)
Wer hebt den Stein?/Ninon (1913) Wenn Wunden heilen (1914) Charly, der
Wunderaffe (1915) In der Nacht... (1915) Sein schwierigster Fall (1915)
Die Gespensteruhr (1915) Die Sünde der Helga Arndt (1915) Nebel und
Sonne (1916) Ein einsam Grab/Die Tat der Gräfin Worms (1916) Arme
Eva Maria (1916) Die Silhouette des Teufels (1917) Die Liebe der Hetty
Raymond - Des Vaters letzter Wille (1917) Ehre (1917) Hilde Warren und
der Tod (1917) Der schwarze Chauffeur (1917) Ein Lichtstrahl im Dunkel
(1917) Wogen des Schicksals (1918) Opfer (1918) Fünf Minuten zu spät
(1918) Ihr grosses Geheimnis (1918) Die Bettelgräfin (1918) Die platonische
Ehe (1918) Veritas vincit/Die Wahrheit siegt! (1919) Fräulein Zahnarzt
(1919) Der Amönenhof (1919) Die Herrin der Welt (1919) Die Schuld
der Lavinia Morland (1920) Das wandernde Bild (1920) Der Leidensweg der
Inge Krafft (1921) Das indische Grabmal: 1. Die Sendung des Yoghi - 2.
Der Tiger von Eschnapur (1921) Tragödie der Liebe (1923) Die Liebesbriefe
der Baronin von S... (1924) |
Mia May wurde 1884 ebenfalls in Wien geboren und hatte ihre ersten Theatererfahrungen
bereits mit 5 Jahren gemacht und spielte bis zum 14. Lebensjahr etliche
Kinderrollen. Mit ihrem Filmdebüt unter der Regie ihres Mannes zeichnete
sie sich nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Co-Autorin verantwortlich.
Mia fungierte zeitweise als Geschäftsführerin der May-Film GmbH
und betätigte sich auch als Cutterin.
Durch ihr darstellerisches Leistungsvermögen avancierte Mia May
zu einer der ersten deutschen Diven und wurde in einem Atemzug mit den
Grossen des Stummfilms - Asta Nielsen, Henny Porten, Pola Negri - genannt.
1920 schliesslich zog sich Mia von der Filmarbeit etwas zurück, um
auch ihrer Tochter als Konkurrenz Platz zu machen. Sie drehte nur noch
gelegentlich einige Filme und zog sich Ende Mai 1924 gänzlich vom
Filmgeschäft zurück, da auch die Kritiken über ihre Filmarbeiten
nicht mehr die allerbesten waren.
Der Tiefschlag mit dem Tod ihrer Tochter liess jede Hoffnung zunichte
machen, dass Mia vielleicht doch wieder einen Film drehen würde.
1934 ging sie mit Joe May nach Amerika, wo sie bis zu ihrem Tod 1980
lebte.
 
Alle Filme mit Eva May:
Der lebendige Tote (1918) Sadja (1918) Erträumtes (1918) Stürme
- Ein Mädchenschicksal (1918) Staatanwalt Jordan (1919) Die verwunschene
Prinzessin (1919) Irrlicht (1919) Schloss Einöd (1919) Schwarze Perlen
(1919) Das Gebot der Liebe (1919) Die Fee von Saint Ménard (1919)
Die Braut des Entmündigten (1919) Das törichte Herz (1919) Im
Wirbel des Lebens (1919) Der Henker von Sankt Marien (1920) Die Legende
von der heiligen Simplicia (1920) Die Amazone (1921) Junge Mama (1921)
Seine Exzellenz von Madagaskar (1921) Scheine des Todes (1922) Der Graf
von Charolais (1922) Der Graf von Essex (1922) Paganini (1923) Alt-Heidelberg
(1923) Die Fledermaus (1923) Der geheime Agent (1924) |
Eva May wurde - Nomen ist Omen - im Mai des Jahres 1902 geboren. Da
ihre Eltern gross im Filmgeschäft standen, war es nur natürlich,
dass auch sie diesen Weg einschlagen würde.
Da sie praktisch immer im Atelier ihres Vaters war, bekam sie schon
früh die Atmosphäre der Filmarbeit mit. Bereits 1917 spielte
sie ihre erste Rolle in einem der Joe-Deebs-Detektivfilme - "Der lebendige
Tote." Ab 1918 arbeitete sie exklusiv für die Ring-Film GmbH unter
der Leitung ihres ersten Mannes Manfred Liebenau, die eine eigene Eva-May-Reihe
herausbrachte, an deren Drehbüchern Eva mitschrieb. Von der Presse
wurde sie mit wohlgefallen behandelt und durch ihre sympatischen Rollen
wurde sie zu "Jedermanns Liebling."
Nach 1920 drehte sie auch wieder mit ihrem Vater, doch auch mit vielen
anderen Regisseuren wie Karl Grune und Max Mack.
Durch ihren Lebenswandel, ihrer Arbeitsweise und Launen kam es immer
wieder zu Zerwürfnissen mit Joe May. Auch ihre dritte Ehe mit dem
Regisseur Manfred Noa zerbrach nach kurzer Zeit. In der Nacht vom 9. auf
den 10. September 1924 beendete Eva May ihr Leben mit einem Pistolenschuss.
Es war dies nicht der erste Selbstmordversuch. Bereits ein Jahr zuvor
schnitt sie sich die Pulsadern auf. |