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Andy Hug (1964 - 2000) 
Kickbox-Legende
2facher Karateweltmeister, Thaibox-Weltmeister 1994, K-1 Meister aller Klassen 1996

original-signiertes Foto von Andy HugSelten hat der Tod eines Schweizer Sportlers solch eine Bestürzung ausgelöst wie jener von Andy Hug. Auch mir ging ein Schauer über den Rücken, als ich den Fernsehbericht über den Tod von Andy Hug sah. Deshalb ist es mir ein Bedürfnis, über den sympathischen Sportler und Menschen Hug zu berichten.

Hugs Geschichte ist die eines Aufstiegs aus ärmlichen Verhältnissen zum Idol und Volkshelden in Japan. Sein Vater war Fremdenlegionär und verliess die Familie früh. Die Mutter war bei der Erziehung völlig überfordert, so dass Andy und seine Geschwister bei der Grossmutter aufwuchsen. Als Kind prügelte er sich oft, doch änderte sich dies, als er ein Karatetraining aufnahm. Bereits im Alter von 15 war er Mitglied der Nationalmannschaft und besass mit 17 eine Karateschule. Vier Jahre später eroberte er sich erstmals den Europameistertitel bei den Amateuren.
Als er mit 23 völlig überraschend Vize-Weltmeister wurde, konnte er seine aufgelaufenen Schulden abtragen und den Sport erfolgreich weiter führen.

Dann kam der entscheidende Schritt zu seiner unvergleichlichen Karriere. Mit 28 nahm er bei den Karate-Weltmeisterschaften in Osaka teil und wurde auf Anhieb der erste nicht-asiatische Weltmeister. Durch seine zurückhaltende Persönlichkeit und Freundlichkeit passte er ideal ins Bild des Japaners und seinem Mythos stand nichts mehr im Wege.

Dank der Initiative von Kazuyoshi Ishii wurde die Kampfsportart K-1 gegründet mit Andy Hug als Zugpferd. Er übertraf die Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden, bei weitem und die Kampfsportart fand im Nu eine unübersehbare Heerschar von Fans.

Mit dem Erfolg kehrte Andy Hug wieder in die Schweiz zurück und lancierte die legendäre K-1 Night von Zürich, die er in den nächsten sechs Jahren unbesiegt bestritt. Der Virus griff auch auf das Schweizer Publikum über und er erlebte eine Verehrung, wie sie nur selten einem Schweizer Sportler von seinem eigenen Publikum zuteil wurde.

Dass Andy Hug ein derart hohes Ansehen in der Schweiz erlangte, liegt sicherlich nicht zuletzt daran, dass er kein Prophet im eigenen Land war, sondern ein Prophet in einer uns exotischen Welt. Wer als Ausländer aus dem Nichts zur beliebtesten Persönlichkeit wird, kann seine Wirkung auf sein eigenes Volk nicht verfehlen.

Sein Tod kam absolut unerwartet und in seiner Geschwindigkeit unfassbar. Erst am 17. August wurde bei ihm akute Leukämie diagnostiziert. Am 23. August fiel er ins Koma und die Öffentlichkeit erfuhr erstmals etwas von der schrecklichen Krankheit. Doch Zeit, um den Schock zu verarbeiten, blieb nicht. Nur gerade 22 Stunden später ging die Schreckensnachricht um, dass Andy Hug infolge multiplen Organversagens und dem daraus resultierenden Atemstillstand verstarb. Er hinterlässt seine Frau Ilona und seinen Sohn Seya.

In Japan wurde die Nachricht vom Tod weitaus emotionaler aufgenommen. Gestandene Sportmoderatoren brachen vor laufender Kamera in Tränen aus. Andy Hug hatte Japan als seine neue Heimat ausgewählt und seinem Wunsch entsprechend wird eine Feuerbestattung vollzogen.

Seinen letzten Plan, eine Schauspiel-Karriere in Angriff zu nehmen, konnte er nicht mehr verwirklichen, sein Andenken wird jedoch bei vielen seiner Fans für immer weiterleben.

Nachdem Andy Hug von seiner schweren Krankheit erfuhr, zeigte er ein letztes Mal sein Kämpferherz, dem er seine Karriere verdankte, und schrieb an seine Fans, die er bis zuletzt pflegte, einen Brief:

Ich glaube, ihr werdet schockiert sein, wenn ihr erfahrt, in welchem Gesundheitszustand ich mich befinde. Als der Arzt mich aufklärte, war es selbst für mich ein riesiger Schock. Doch will ich euch über meinen Gesundheitszustand informieren, damit ich zusammen mit euch gegen diese Krankheit kämpfen kann. Diese Krankheit ist der schwerste Gegner aller meiner Kämpfe. Aber ich werde siegen. Und wie im Ring werde ich Kraft schöpfen aus euren Anfeuerungsrufen und diesen starken Gegner besiegen. Leider werde ich am Turnier im Oktober nicht mitmachen können. Ich werde gegen diese Krankheit in Japan kämpfen und eines Tages wieder vor euch stehen. Halten wir durch!

Gruss Andy Hug
 
 

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