TONY
BENNETT
1926
Sänger / Singer
Bereits im Alter von 10 Jahren hatte Benedetto,
als Sohn eines Lebensmittelhändlers in Astoria im New Yorker Stadtbezirk
Queens geboren, seinen ersten Gesangsauftritt bei den Feierlichkeiten zur
Eröffnung der Triborough Bridge in seiner Heimatstadt. Bis 1942 besuchte
er die High School of Industrial Art (mit den Schwerpunkten Musik und Malerei),
danach verdingte er sich als "singender Kellner" in italienischen Lokalen
in Queens.
1944 zur Armee eingezogen, kam er 1945 mit der
63. US-amerikanischen Infanteriedivision nach Deutschland und blieb dort
bis 1946 stationiert. Unter dem Künstlernamen Joe Bari trat er als
Sänger mit verschiedenen Militärorchestern auf. Nach seiner Rückkehr
in die USA behielt er den Namen zunächst bei, vertiefte seine musikalische
Ausbildung und arbeitete in zahlreichen kleineren Musikclubs seiner Heimatstadt.
1949 verpflichtete ihn die Sängerin Pearl Bailey als Vorprogramm;
dort wurde er von Bob Hope entdeckt und nannte sich auf Hopes Anregung
hin fortan Tony Bennett.
1950 erhielt Bennett einen Plattenvertrag
bei Columbia Records und landete mit der Single The Boulevard Of Broken
Dreams gleich einen Achtungserfolg. In den folgenden Jahren stieg Bennett
rasch zu einem der populärsten Sänger der USA auf, gab umjubelte
Konzertserien im New Yorker Paramount Theatre, und mit seinen Singles Because
Of You (1951), Cold Cold Heart (1951), Rags To Riches (1953) und Stranger
In Paradise (1953) gelang ihm gleich viermal der Sprung an die Spitze der
US-Charts. Mit letzterem Lied, das auch in Großbritannien die Charts
anführte, begründete Bennett seine Popularität in Europa.
Seiner ersten LP Because Of You (1952) folgten
1955 das Album Cloud 7 mit dem Gitarristen Chuck Wayne (1954-57 Bennetts
Orchesterleiter) und 1957 die LP The Beat Of My Heart, auf der Bennett
seine Stärken als Jazz-Sänger demonstrierte, einer Musikrichtung,
der er sich begleitet von seinem neuen Pianisten und langjährigen
Orchesterleiter Ralph Sharon ab 1957 verstärkt widmete. Als einer
der ersten Sänger seiner Sparte arbeitete er auf zwei Alben mit Count
Basie und seinem Orchester zusammen (Basie Swings, Bennett Sings, 1958;
In Person! With Count Basie, 1959).
Als Urlaubsvertretung für Perry Como erhielt
Bennett im Sommer 1959 für einige Wochen seine eigene Fernsehshow
(The Tony Bennett Show). Als Schauspieler wirkte er 1963 in einigen Episoden
der Fernsehserie 77 Sunset Strip mit und übernahm 1966 eine Rolle
im Hollywood-Streifen The Oscar (dt.: ... denn keiner ist ohne Schuld).
1962 gab er ein Galakonzert in der New Yorker
Carnegie Hall, das von Columbia auch als Live-Album herausgebracht wurde.
Daneben erschienen in rascher Folge zahlreiche weitere Studioalben bei
Columbia, von denen I Left My Heart In San Francisco (1962) und I Wanna
Be Around (1963) besonders erfolgreich waren. Mit der Single I Left My
Heart In San Francisco gewann Bennett 1963 zwei Grammys; das Lied gilt
heute als eine seiner Erkennungsmelodien. Für I Wanna Be Around (1963),
Who Can I Turn To (1964) und The Shadow Of Your Smile (1965) erhielt Bennett
weitere Grammy-Nominierungen.
1965 trennten sich Bennett und Sharon. Der Aufforderung
seiner Plattenfirma, sich auf seinen Alben stärker zeitgenössischer
Pop-Musik zu widmen, kam Bennett nur mit zunehmendem Widerwillen nach,
und seine LPs (darunter der Achtungserfolg For Once In My Life, 1967)verkauften
sich zusehends schlechter (wie etwa Tony Sings The Great Hits Of Today,
1969).
1972 wechselte Bennett für kurze Zeit von
Columbia zum Label MGM Records und brachte dort zwei Alben heraus, die
jedoch ebenfalls wenig erfolgreich waren, so daß er bald ohne festen
Plattenvertrag dastand.
Daraufhin gründete Bennett sein eigenes Plattenlabel
Improv Records, für das er zwei Alben mit Songs von Rodgers und Hart
produzierte und zusammen mit dem Jazzpianisten Bill Evans seine beiden
wohl besten Jazz-Alben einspielte (The Tony Bennett/Bill Evans Album 1975,
Tony Bennett And Bill Evans - Together Again 1977). Doch blieb der kommerzielle
Erfolg zunächst aus, so daß Bennett das Label Ende der 70er
Jahre aufgeben musste.
Beinahe 10 Jahre lang nahm Bennett nun keine neuen
Platten auf und hielt sich mit Konzertauftritten in Las Vegas über
Wasser, während die Steuerbehörden zeitweise sein Haus in Los
Angeles beschlagnahmten. Eine Überdosis Kokain kostete ihn 1979 beinahe
das Leben.
In den frühen 80er Jahren fand Bennett allmählich
in ein geregeltes Leben zurück, zog zurück nach New York City
und tat sich wieder mit Ralph Sharon und dessen Trio zusammen, während
sein Sohn Danny Bennett sich fortan als Manager um die Geschäfte kümmerte.
Nach einer Reihe erfolgreicher Konzertauftritte auf kleineren New Yorker
Musikbühnen und in einigen populären Fernsehshows gelang Bennett
dann 1986 ein Comeback bei seinem alten Label Columbia Records, das ihn
wieder unter Vertrag nahm.
Nach seinem erfolgreichen Wiedereinstieg bei Columbia
mit Alben wie The Art Of Excellence (1986) und der musikalischen Rückschau
Astoria - Portrait Of The Artist (1990) gewann Bennett 1993 einen Grammy
für sein Jazz-Album Perfectly Frank (1992), eine Hommage an seinen
Freund und Bewunderer Frank Sinatra. Schon ein Jahr später konnte
er für Steppin' Out, ein Tribut an Fred Astaire, erneut einen Grammy
entgegennehmen. Mit How Do You Keep The Music Playing? konnte Bennett auch
einen zweiten "signature song" etablieren.
Nachdem ein Video mit dem Titelsong aus Steppin'
Out sehr erfolgreich beim Musiksender MTV gelaufen war, produzierte Bennett
begleitet von Ralph Sharon 1994 MTV Unplugged: Tony Bennett, ein komplettes
Jazz-Konzert-Special mit Elvis Costello und k.d.lang als Gaststars, das
für Quotenrekorde sorgte und ihm beim vorwiegend jüngeren Publikum
fortdauernde Popularität sicherte. Das zugehörige Columbia-Album
erreichte Platin und gewann zwei Grammys.
Seither konnte Bennett mit seinen regelmäßig
erscheinenden neuen Columbia-Alben, darunter Tribute an die Jazzgrößen
Billie Holiday, Duke Ellington und Louis Armstrong, zahlreiche weitere
Auszeichnungen gewinnen; zwischen 1997 und 2007 erhielt Bennett sieben
weitere Grammys für das beste traditionelle Pop-Album des Jahres.
Für sein Konzertspecial Live By Request - A Valentine's Special (1996)
gewann Bennett einen Emmy. 1998 wurde er in die amerikanische Big Band
and Jazz Hall of Fame aufgenommen; 2001 erhielt er einen Grammy für
sein Lebenswerk. Für 2006 erhielt Bennett ein Jazz Masters Fellowship
der staatlichen NEA-Stiftung, die höchste Auszeichnung für Jazzmusiker
in den USA.
Gemeinsam mit dem Jazzkritiker Will Friedwald
brachte Bennett 1998 seine Autobiographie The Good Life heraus.
Zu seinem 80. Geburtstag veröffentlichte
Bennett 2006 das Album Duets - An American Classic, auf dem neu eingespielte
elektronische Duette mit Künstlern wie Bono, Michael Bublé,
den Dixie Chicks, Elvis Costello, Céline Dion, Billy Joel, Elton
John, Juanes, Diana Krall, k.d.lang, Paul McCartney, Tim McGraw, George
Michael, Barbra Streisand, James Taylor und Stevie Wonder vertreten sind.
Das gleichnamige Fernsehspecial von 2006 gewann 2007 drei Emmys, darunter
einer für Bennett selbst.
Bennett geht nach wie vor regelmäßig
auf Konzerttourneen in den USA und in Europa (dort vor allem in Großbritannien
und Italien), wo er zuletzt im Frühjahr 2007 zu sehen war, vorwiegend
mit kleiner Jazz-Combo-Begleitung. Seit Ralph Sharons Ausscheiden 2003
fungiert der Pianist Lee Musiker als deren Leiter.
1952 heiratete Bennett Patricia Beech. Aus der
Ehe stammen zwei Söhne: D'Andrea (genannt "Danny") Bennett, der seit
den 80er Jahren als Produzent und Manager für seinen Vater arbeitet,
und Daegal (genannt "Dae") Bennett, der als Toningenieur seit den 90er
Jahren die Aufnahmen seines Vaters betreut. 1965 trennte sich das Paar,
1971 wurde die Ehe geschieden.
Aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Sandra Grant,
die er 1965 bei den Dreharbeiten zu The Oscar kennengelernt hatte, stammen
die beiden Töchter Joanna und Antonia. 1980 ließ sich das Paar
scheiden.
Seit Mitte der 80er Jahre ist Tony Bennett mit
der Lehrerin Susan Crow liiert; die beiden heirateten am 21. Juli 2007.
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