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KATIA
MANN
1883
- 1980
Ehefrau des Schriftstellers Thomas Mann
Katia Mann (geborene Katharina Hedwig Pringsheim;
* 24. Juli 1883 in Feldafing bei München; † 25. April 1980 in Kilchberg
bei Zürich) war die Ehefrau des deutschen Schriftstellers Thomas Mann
und Mutter von Erika, Klaus, Golo, Monika und Michael Mann sowie Elisabeth
Mann-Borgese. Als jüngstes Kind und einzige Tochter des Mathematikprofessors
Alfred Pringsheim und der ehemaligen Schauspielerin Hedwig Pringsheim wuchs
sie in äußerst wohlhabenden und liberalen Verhältnissen
auf. In Thomas Manns Werken findet sich in mehreren Figuren ein starker
Bezug zur Person Katia Mann; darüber hinaus inspirierte sie ihn zu
dem Roman Der Zauberberg von 1924 und der Erzählung Die Betrogene
von 1953.
Hohe Anforderungen stellten die Eltern an die
schulische Ausbildung ihrer Kinder. Während ihre Brüder das Gymnasium
besuchten, erhielt Katia Pringsheim ab dem siebten Lebensjahr Privatunterricht
und legte 1901 als erste Frau das Abitur in München ab. Frauen waren
bis dahin von der staatlichen Abiturprüfung ausgeschlossen, und Katia
musste als sogenannte Privatstudierende ein Vorexamen ablegen, um an der
Prüfung des Münchener Königlichen Wilhelms-Gymnasium teilnehmen
zu können. Von der Münchener Universität, an der ihr Vater
lehrte, wurde ihr auf Antrag die Erlaubnis erteilt, Vorlesungen zu besuchen.
Erst ab 1903 war Frauen in Bayern, und damit auch ihr, ein reguläres
Studium möglich. Katia Pringsheim gehörte zu den ersten sogenannten
aktiven Studentinnen und interessierte sich hauptsächlich für
die naturwissenschaftlich-mathematischen Fächer, hörte jedoch
auch Vorlesungen in Philosophie.
Im Frühjahr 1904 lernte sie durch Vermittlung
der gemeinsamen Bekannten Elsa Bernstein den sieben Jahre älteren
Thomas Mann kennen.
Katia Pringsheim willigte schließlich im
November 1904 in die Ehe ein. Das Paar heiratete am 11. Februar 1905 standesamtlich
in München.
Katia und Thomas Mann bezogen nicht weit von Katias
Elternhaus eine Etagenwohnung, die Alfred Pringsheim ihnen eingerichtet
hatte. Bereits im November 1905 kam die Tochter Erika zur Welt. Innerhalb
von fünfzehn Jahren wurden die sechs Kinder, Erika (1905–1969), Klaus
(1906–1949), Golo (1909–1994), Monika (1910–1992), Elisabeth (1918–2002)
und Michael (1919–1977) geboren. 1907 hatten sich Thomas Manns Einkünfte
bereits soweit verbessert, dass man neben der Stadtwohnung in München
ein Wochenendhaus in der Nähe von Bad Tölz bauen konnte. Um den
Lebensunterhalt für seine stetig wachsende Familie finanzieren zu
können, ging Thomas Mann regelmäßig auf längere Lesereisen.
Ab 1910 lebte die Familie Mann in der Mauerkircher Straße 13 in zwei
miteinander verbundenen Vierzimmer-Wohnungen, um die inzwischen sechsköpfige
Familie und die vier Bediensteten unterzubringen. Erst 1914 zog die Familie
Mann in ihr Poschi genanntes Haus in der Poschingerstraße 1 am Herzogpark.
Es mangelte nicht an Dienstpersonal wie Köchin, Stubenmädchen,
Kinderfräulein und später auch ein Chauffeur.
Davos um 1915
Im Sommer 1911 bekam Katia Mann Lungenbeschwerden
und ging 1912 mit der Diagnose "geschlossene Tuberkulose" zur Kur nach
Davos. Tatsächlich dürften ihre Beschwerden anderen Ursprungs
gewesen sein, denn später angefertigte Röntgenbilder zeigten,
dass sie nie an Tuberkulose erkrankt gewesen sein konnte. In den folgenden
Jahren wiederholten sich regelmäßig und oft monatelang ihre
Sanatoriumsaufenthalte im Hochgebirge. Ihre Briefe aus Davos und Arosa,
wo sie im Waldsanatorium Prof. Jessen die Kur verbrachte, inspirierten
Mann zu seinem Roman Der Zauberberg. Ihre Kinder blieben währenddessen
in München und wurden von Kindermädchen betreut. Klaus Mann über
diese Zeit: „In solchen Monaten und halben Jahren herrschten die launischen
Damen fast unumschränkt über uns, da unser Vater, wenngleich
sehend, nichts von […] erzieherische[m] Furor an sich hatte.“
Ob es sich bei Katia Manns Beschwerden um eine
psychosomatische Erkrankung handelte, wie viele es vermuten, ist nicht
abschließend geklärt. Dass sie aber in Haushalts- und Erziehungsfragen
auf sich allein gestellt war, was eine Überlastung nahelegt, wird
aus diversen Quellen deutlich. So hieß es am Ende des Schuljahres
1916/1917 in Klaus Manns Zeugnis: „Der Vater, der Schriftsteller Thomas
Mann, erkundigte sich nie nach seinem Sohn, dagegen wiederholt die Mutter,
der anscheinend die ganze Erziehung der Kinder obliegt“ und Katia Manns
Mutter sollte schon 1906 über den Schwiegersohn geäußert
haben, dass er „ein rechter Pimperling“ sei, der „nicht viel verträgt.“Katia
Mann sorgte für die gewünschte Stille im Haus. „Wurde draußen
im Garten Wäsche aufgehängt, so schloß er die Fenster des
Arbeitszimmers und zog die Vorhänge zu.“
Den Ersten Weltkrieg erlebte Katia Mann mit ihrer
Familie in München. Thomas Mann war für den Kriegsdienst zwar
für untauglich erklärt worden, aber seine Einnahmen waren rückläufig,
weshalb Hauspersonal entlassen werden musste. Das Landhaus in Bad Tölz
wurde 1917 gegen eine Kriegsanleihe veräußert.
Um während der Kriegsjahre die Familie mit
genügend Lebensmitteln und Kohle zu versorgen, war sie oft stundenlang
in München unterwegs. Auch die Nachkriegsjahre wurden mit immerhin
nun sechs Kindern aufgrund der allgemeinen Wirtschafts- und Versorgungslage
zunächst nicht einfacher. Thomas Mann hatte sich während des
Krieges mit seinem Essay Gedanken im Krieg deutschnational geäußert
und sich aus diesem Grund mit seinem Bruder Heinrich überworfen. Sein
Einkommen, insbesondere die Einnahmen aus ausländischen Buchverkäufen,
ermöglichten der Familie weiterhin einen vergleichsweise guten Lebensstandard.
Katia Mann jedoch beklagte während eines weiteren Kuraufenthaltes:
„Ich habe hier soviel Zeit zum Nachdenken, und da denke ich doch manchmal,
daß ich mein Leben nicht ganz richtig eingestellt habe, und daß
es nicht gut war, es so ausschließlich auf Dich und die Kinder zu
stellen.“
Die schulischen Leistungen der Kinder entsprachen
nicht den Erwartungen. Bis auf Elisabeth mussten alle vor dem Abitur die
öffentlichen Gymnasien verlassen und wechselten auf Privatschulen,
oftmals Internate. 1923 brach Klaus die Schule ganz ab und wurde zunächst
Theaterkritiker. Auch Erika schlug nicht die gewünschte akademische
Laufbahn ein, sondern begann 1924 nach dem nur mühsam bestandenen
Abitur eine Schauspielausbildung. 1926 heiratete sie den Schauspielkollegen
Gustaf Gründgens, allerdings hielt die Ehe nur bis 1929.
Katia Mann begleitete Thomas Mann in dieser Zeit
regelmäßig auf offiziellen Reisen. Bereits 1920 war ihm von
der Universität Bonn die Ehrendoktorwürde verliehen worden, 1926
ernannte ihn der Lübecker Senat zum Professor, und 1929 erhielt er
den Nobelpreis für Literatur für sein Werk Buddenbrooks.
Von der Machtergreifung der Nationalsozialisten
1933 erfuhren sie während einer Erholungsreise in Arosa. Thomas Mann
hatte sich mit seinem Appell an die Vernunft, einer Rede, die er 1930 im
Berliner Beethovensaal hielt, gegen den Nationalsozialismus gewandt, und
auch Erika und Klaus hatten sich noch im Januar 1933 bei der Premiere ihres
politischen Kabaretts Die Pfeffermühle als im Sinne der Nationalsozialisten
deutschlandfeindlich gezeigt. Um einer Verhaftung zu entgehen, mussten
die Ensemblemitglieder untertauchen. Erika und Klaus Mann warnten ihre
Eltern brieflich und telefonisch vor einer Rückkehr nach Deutschland.
Klaus Mann fuhr am 13. März nach Paris, während Erika die Joseph-Manuskripte
ihres Vaters zusammenraffte und in die Schweiz abreiste, wo sie Thomas
Mann die aus dem Elternhaus in München geretteten Manuskripte übergab.
[8] Das Haus in München wurde noch im selben Jahr enteignet und gegen
Thomas Mann ein Schutzhaftbefehl erlassen.
Als Zufluchtsort hatten Thomas und Katia Mann
sich zunächst für Sanary-sur-Mer in Südfrankreich entschieden,
bis sie sich schließlich im Schweizer Küsnacht für die
nächsten fünf Jahre niederließen. Außer Klaus, der
in Amsterdam an der Gründung der Zeitschrift Die Sammlung arbeitete,
hatte sich dort inzwischen die gesamte Familie versammelt. Ein Teil ihres
Hausrats war über Umwege in die Schweiz geschafft worden, und dank
Vermögenseinlagen im Ausland war die Existenzgrundlage weiterhin gesichert.
Thomas Mann nahm 1934 seine Lesereisen wieder auf, und Katia Mann reiste
mit ihm mehrmals in die USA. 1936 wurde ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft
aberkannt, aber bis auf Erika, die in zweiter Ehe 1935 den englischen Lyriker
Wystan Hugh Auden geheiratet hatte, waren die Mitglieder der Familie Mann
dank guter Beziehungen zu Präsident Edvard Beneš nun tschechische
Staatsbürger. Für das Ehepaar Mann war die Aberkennung ein schwerer
Schlag, doch mehr noch setzten Katia Mann familiäre Schwierigkeiten
zu. Erika, Klaus und auch Michael hatten bereits zu dieser Zeit Alkohol-
und Drogenprobleme, Monika litt an Depressionen und schrieb Katia „fatale“
Briefe[9], wie Thomas Mann in seinem Tagebuch vermerkte. 1938 kam Klaus
zur Entziehungskur nach Zürich, da sein Drogenkonsum außer Kontrolle
geraten war.
Im März 1938 waren die deutschen Truppen
in Österreich einmarschiert. Die Situation jüdischer Flüchtlinge
hatte sich auch innerhalb der Schweiz verschärft, und auf ein verkürztes
Einbürgerungsverfahren bestand trotz Thomas Manns Prominenz kaum Hoffnung.
In dieser unsicheren Lage bot ein von Thomas Manns vermögender Gönnerin
Agnes E. Meyer vermittelter Lehrauftrag der Princeton University die Möglichkeit,
Europa zu verlassen. Am 17. September 1938 schifften sich Katia und Thomas
Mann mit Elisabeth in Southampton auf dem Dampfer Nieuwe Amsterdam Richtung
USA ein und wurden dort begeistert empfangen. „Erschütternd war der
Empfang […] wir haben so etwas noch nie erlebt. Es ist ja gewissermaßen
ein Glück hier in Sicherheit zu sein, aber ich persönlich wäre
den Ereignissen doch lieber näher.“ Wie bei jedem Umzug lag es an
ihr, das neue Haus nach Thomas Manns Gewohnheiten herzurichten. „Genaue
Wiederherstellung des Schreibtisches, jedes Stück […] genau an seinem
Platz wie in Küsnacht u. schon in München.“ notierte er zufrieden
nur eine Woche nach ihrer Ankunft in Princeton. In Molly Shenstone, der
Frau des Physikers Allen G. Shenstone, fand Katia Mann die Freundin ihres
Lebens.
Katia Manns Wunsch, den Ereignissen näher
sein zu wollen, begründete sich auch in der Sorge um ihre Eltern,
die sich noch in Deutschland aufhielten, und die erst am 31. Oktober 1939,
einen Tag vor der Schließung der Grenzen, in Zürich eintrafen.
Seinen Eltern und Elisabeth war Klaus dauerhaft in die USA gefolgt. Erika
war die erste der Familie, die 1937 offiziell in die USA eingewandert war.
Die übrigen lehnten eine Emigration zunächst ab. Golo kehrte
im Sommer 1939 nach Zürich zurück, und Michael ließ sich
nach seiner Hochzeit im März 1939 in London nieder. Monika war in
Europa geblieben und heiratete ebenfalls im März in London. Nach Ausbruch
des Zweiten Weltkriegs bemühte sich Katia Mann, alle Familienmitglieder
ins amerikanische Exil in Sicherheit zu bringen. Michael erreichte unbehelligt
im Januar 1940 per Schiff, der Britannic, New York, und Erika flog nach
einer Kriegsberichterstattung über das massive Bombardement The Blitz
für die BBC London im Oktober 1940 in die USA zurück. Golo war
noch im Mai 1940 als Kriegsfreiwilliger nach Frankreich gegangen und dort
interniert worden. Er erreichte mit Heinrich Mann und dessen Ehefrau Nelly
sowie dem Ehepaar Werfel nach einer dramatischen Flucht zu Fuß über
die Pyrenäen zunächst Lissabon. Von dort aus schifften sie sich
auf die Nea Hellas ein und gingen am 13. Oktober 1940 in New York von Bord.
Monikas Schiff, die City of Benares, war in der Nacht zum 18. September
mitten auf dem Atlantischen Ozean von einem deutschen U-Boot versenkt worden,
wobei ihr Ehemann Jenö Lányi sein Leben verloren hatte. Sie
selbst kam als letztes von Katia Manns Kindern am 28. Oktober 1940 in New
York an.
1941 starb Katia Manns Vater und ein Jahr später
ihre Mutter in Zürich im Exil. Beide Todesnachrichten erhielt sie
in Kalifornien, wohin sie im April 1941 gezogen waren. Thomas Mann hatte
dort mit der Filmgesellschaft Warner Brothers einen Autorenvertrag abgeschlossen,
der ihnen nicht nur die finanzielle Unterstützung ihrer Kinder, sondern
auch den Unterhalt eines großen Anwesens am San Remo Drive 1150 in
Pacific Palisades einschließlich Personal ermöglichte. Katia
Mann war mittlerweile durch die Geburt von Fridolin Mann (* 31. Juli 1940),
Sohn Michaels, und Angelica Borgese (* 30. November 1940), Tochter von
Elisabeth, die 1939 den Italiener Giuseppe Antonio Borgese geheiratet hatte,
zweifache Großmutter geworden. Kurz vor ihrem neunundfünfzigsten
Geburtstag folgte mit Antony Mann (* 20. Juli 1942) der dritte Enkel, wiederum
ein Sohn Michaels. Im selben Jahr traten die USA in den Krieg ein. Erika,
Klaus und Golo meldeten sich trotz Missbilligung Katia Manns freiwillig
zur amerikanischen Armee und leisteten bis Kriegsende ihren Dienst in Europa.
Beide Söhne waren 1943 amerikanische Staatsbürger geworden, Katia
und Thomas Mann wurde die amerikanische Staatsbürgerschaft erst im
Juni 1944 verliehen, während Erika sie trotz Antrags nicht erhalten
hatte.
Im April 1946 wurde Thomas Mann an der Lunge operiert,
und Katia Mann schrieb in die Heimat „Eine solche Lungenoperation ist unter
allen Umständen ein schwerer Eingriff und in hohem Alter doppelt ernst.“
Ein Krebstumor war bei dem über Siebzigjährigen entfernt worden.
Von dem Eingriff erholte er sich so gut, dass sie ein Jahr später
auf Vortragsreise nach Europa gehen konnten. Erika, beruflich glücklos,
kehrte 1948 in ihr Elternhaus zurück, um Thomas Mann „[…] als Sekretärin,
Biographin, Nachlaßhüterin […]“ zu unterstützen. Sie begleitete
ihre Eltern auch auf einer weiteren Vortragsreise nach Europa im Jahr 1949,
auf der in Stockholm die Nachricht eintraf, dass sich Klaus am 21. Mai
in Cannes mit Tabletten das Leben genommen hatte. „Mein Mitleid innerlich
mit dem Mutterherzen und mit E. Er hätte es ihnen nicht antun dürfen,“
schrieb Thomas Mann am 22. Mai in sein Tagebuch. Dem Selbstmord gingen
bereits mehrere Versuche voraus. An seiner Beerdigung nahm nur sein Bruder
Michael teil.
Katia Mann war bereits 1942 an der Gebärmutter
operiert worden, und 1950 folgte eine weitere Operation am Unterleib. Kurz
darauf ließ sich die vierfache Großmutter – ihre Enkelin Dominica
Borgese (* 6. März 1944) kam noch vor Kriegsende auf die Welt –, mit
fast 67 Jahren die Brüste straffen. Doch viel Zeit zur Erholung blieb
ihr nicht. In Chicago besuchte sie Elisabeth, die sich in einer schweren
Ehekrise befand, und stand auch Michael bei, dessen Ehe und Musikkarriere
aufgrund einer unglücklichen Affäre mit der Schwester Yehudi
Menuhins, Yaltah Menuhin, zu scheitern drohte. Und Erika, durch den Tod
ihres Bruders tief erschüttert, glitt weiter in ihre Drogensucht ab.
„Es schmerzt mich, daß Erika ihre geliebte Mutter enerviert und deprimiert,
ja reizt durch ihre große Bitterkeit.“[16] Hinzu kamen 1951 auch,
angesichts des veränderten gesellschaftlichen und politischen Klimas
der McCarthy-Ära, erste Überlegungen, nach Europa zurückzukehren.
Mitte 1952 erreichten Katia und Thomas Mann Zürich
und mieteten sich übergangsweise in Erlenbach nahe Küsnacht ein.
Ihnen vorausgereist waren Golo und Erika. Elisabeth war mit ihrer Familie
in die Heimat ihres Mannes nach Florenz gezogen. Borgese verstarb noch
1952 an einem Hirnschlag, und Elisabeth kehrte vorübergehend zu ihren
Eltern zurück. Während sich in den USA das Interesse an dem Schriftsteller
Thomas Mann allmählich verloren hatte, wurde er in der Schweiz, Deutschland
und Italien nun wieder mit Ehrungen und Vortragsanfragen überhäuft,
die koordiniert werden mussten.
Im Jahr 1954 fand Katia Mann nach längeren
Bemühungen ein Haus in Kilchberg, Alte Landstrasse 39, das Thomas
Manns Vorstellungen entsprach. „[…] entschieden angenehm und erfreulich,
nicht herausfordernd, aber anständig und bequem.“[ lautete sein Urteil.
Im Juli 1955 klagte Thomas Mann im holländischen Seebad Noordwijk
gegenüber Katia erstmals über Schmerzen im Bein. Er starb in
ihrem Beisein am 12. August 1955 im Kantonsspital in Zürich an den
Folgen von Arteriosklerose. Thomas Mann wurde auf dem Kilchberger Friedhof
begraben.
Katia Mann blieb mit Erika, die sich um Thomas
Manns Nachlass sowie die literarischen Hinterlassenschaften von Klaus kümmerte,
in dem Kilchberger Haus wohnen. Erika begleitete Katia Mann auch zu den
seltener gewordenen öffentlichen Auftritten, da sie sich, anders als
ihre Tochter, weiterhin lieber im Hintergrund hielt. Dass sie „so gar nicht
zum […] sich pfauenhaft aufplusternden Typus der Schriftstellergemahlin
gehört[e] […]“ wurde in einem Artikel zu ihrem 75. Geburtstag im Badener
Tagblatt vom 24. Juli 1958 festgestellt. Gesellschaftlich war es mit Thomas
Manns Tod ruhiger um sie geworden, aber einsam war sie in ihren letzten
Lebensjahrzehnten nicht. Golo hatte 1965 seinen Lehrstuhl für Politik
an der Stuttgarter Universität aufgegeben und machte als freischaffender
Historiker das Kilchberger Haus zu seinem Hauptwohnsitz. Auch Elisabeth
reiste regelmäßig aus der Toskana an, wo sie als Schriftstellerin
und Journalistin arbeitete. Monika hatte sich auf Capri niedergelassen
und kam wie Michael nur selten zu Besuch. Letzterer hatte in den USA ein
Germanistikstudium aufgenommen, jedoch seine Söhne bei Katia Mann
in der Schweiz gelassen. Fridolin, ihr ausgewiesener Lieblingsenkel, wohnte
dort bis zum Abschluss seines Musikstudiums.
Im November 1962 wurde nach den hierfür erforderlichen
zehn Jahren aus der US-Amerikanerin Katia Mann eine Schweizerin. Zuvor
hatte sie wie jeder Antragsteller ausreichend gute Kenntnisse der Landesgeschichte
und -kunde nachweisen müssen. Nach mehreren Unfällen wurde ihr
1964 die Fahrerlaubnis entzogen. Bereits seit Anfang der 1930er Jahre war
sie eine begeisterte Automobilistin, aber „Technisch eine glänzende
Fahrerin, ängstigt[e] sie uns gelegentlich durch übertriebenes
Gottvertrauen.“ 1969 starb Erika an einem Gehirntumor und wurde im Familiengrab
in Kilchberg beigesetzt. Und nach Ehemann und zwei Kindern verlor sie 1972
mit ihrem Zwillingsbruder einen weiteren wichtigen Menschen. „Wer so lange
lebt, muß viele überleben“, stellte sie im Jahr ihres
neunzigsten Geburtstags dazu fest. 1975 jährte sich der zwanzigste
Todestag Thomas Manns und Katia öffnete nach Ablauf der Sperrfrist
seine Tagebücher. Michael übernahm auf Bitten seiner Mutter die
Hauptvorbereitungsarbeit der Veröffentlichung. In der Silvesternacht
1976/1977 starb er an der Kombination von Alkohol mit Barbituraten. Er
wurde neben Vater und Schwester bestattet. Sein Tod wurde vor der inzwischen
an Altersdemenz erkrankten Mutter geheim gehalten, die damit ihr drittes
von sechs Kindern überlebte.
Katia Mann starb im 97. Lebensjahr. Sie wurde
im Kilchberger Familiengrab beerdigt.
Original-signiertes Papierfoto (Format 14.5 x
19.5 cm) Price in Euro 59.- (sehr selten) |