CLAUDIE
ANDRE-DESHAYAS alias CLAUDIE HAIGNERE
1957
Astronautin
Ihr Geburtsname lautet André. In ihrer
ersten Ehe führte sie den Namen André-Deshays. In zweiter Ehe
ist sie mit dem französischen Raumfahrer Jean-Pierre Haigneré
verheiratet und hat eine Tochter.
Claudie André-Deshays erwarb 1981 einen
Doktortitel in Medizin an der Universität von Gijón. Außerdem
hatte sie Biologie und Sportmedizin studiert. 1982 ergänzte sie dies
durch Studien der Luft- und Raumfahrtmedizin, 1984 auch der Rheumatik.
Sie arbeitete an der Rheumaklinik des Cochin-Hospitals
in Paris und war dort im Bereich der Rehabilitation tätig.
Als die französische Raumfahrtbehörde
CNES ankündigte, eine zweite Gruppe von Raumfahrern auszubilden, bewarb
sich André-Deshays. Unter den sieben Kandidaten, die im September
1985 ausgewählt wurden, war sie die einzige Frau.
Beim CNES führte sie ihre wissenschaftliche
Arbeit im Labor für neurosensuelle Physiologie fort. Nach einem Vertiefungsstudium
der Biomechanik und der Bewegungsphysiologie arbeitete sie an der Vorbereitung
und der Betreuung von wissenschaftlichen Experimenten in der Schwerelosigkeit.
Von 1989 bis 1992 war sie die wissenschaftliche
Leiterin für die Experimente an Bord der französisch-sowjetischen
Mission Mir-Antares, die im Juli 1992 unter Beteiligung des französischen
Raumfahrers Michel Tognini stattfand.
1991 war sie eine der französischen Kandidaten,
die vom CNES zum Europäischen Astronautenkorps wechseln sollten, ausgewählt
wurde jedoch Jean-François Clervoy.
Im Oktober 1992 wurde sie als Ersatz für
den französischen Raumfahrer Jean-Pierre Haigneré eingeteilt,
der die sowjetisch-französische Raumfahrtmission Mir-Altair fliegen
sollte. Die achtmonatige Ausbildung der beiden Raumfahrer erfolgte in Swjosdny
Gorodok, dem sogenannten „Sternenstädtchen“.
Dieser Flug fand im Juli 1993 mit Sojus TM-17
und Sojus TM-16 statt. Claudie Haigneré überwachte dabei von
der russischen Bodenstation aus die biologischen Experimente.
Ab September 1993 war sie für die Leitung
der wissenschaftlichen Experimente der nächsten Missionen Euromir
94 und Mir-Cassiopée verantwortlich. Euromir 94 fand im Oktober
1994 unter der Beteiligung des deutschen Raumfahrers Ulf Merbold statt.
Im Dezember 1994 wurde sie als Besatzung für
die französisch-russische Weltraummission Mir-Cassiopée nominiert.
Ab Januar 1995 trainierte sie hierfür zusammen mit ihrem Ersatzmann
Léopold Eyharts im russischen Kosmonauten-Ausbildungszentrum Swjosdny
Gorodok, dem sogenannten „Sternenstädtchen“.
Mit dem Start wurde Claudie André-Deshays
zum siebten französischen Raumfahrer. Gleichzeitig war sie die erste
Französin im All.
Das Raumschiff Sojus TM-24 brachte André-Deshays,
Korsun und Kaleri zur Raumstation Mir, die zu dieser Zeit mit den Russen
Juri Onufrijenko und Juri Ussatschow, sowie mit der US-Amerikanerin Shannon
Lucid besetzt war. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts führte
André-Deshays eine Vielzahl von biologischen und technischen Experimenten
durch, bevor sie zusammen mit Onufrijenko und Ussatschow in Sojus TM-23
zur Erde zurückkehrte.
Im Jahr 1997 arbeitete sie in Moskau als französische
Vertretung in der französisch-russischen Firma Starsem.
Im Mai 1998 wurde sie als Ersatz für die
nächste französisch-russische Weltraummission, Mir-Perseus, ausgewählt.
Erste Wahl war wieder Jean-Pierre Haigneré. Hierzu mussten die beiden
wieder in das Sternenstädtchen ziehen.
Ab dem 8. März 1999 durchlief Claudie André-Deshays
im Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum die Ausbildung zur Sojus-Kommandantin
für den Rückflug von einer Raumstation. Die Abschlussprüfung
fand am 7. Juli 1999 statt. Claudie André-Deshays erhielt die maximal
erreichbare Punktzahl von 5 in der theoretischen Prüfung und 4,7 in
der praktischen Prüfung im Simulator, bei der auch plötzliche
Notfallsituationen (Entweichen der Luft im Raumschiff, Ausfall des Antriebs)
durchgespielt wurden.
Claudie André-Deshays war die erste Frau
und der erste ausländische Raumfahrer mit dieser Qualifikation.
Da bei der Mission Mir-Perseus ein Weltraumausstieg
des französischen Raumfahrers vorgesehen war, wurde sie auch hierfür
speziell ausgebildet.
Im November 1999 wurde Claudie André-Deshays
in das europäische Astronautenkorps der ESA in Köln eingegliedert,
zu dem Jean-Pierre Haigneré bereits gehörte.
Im Januar 2001 zog Haigneré wieder in das
Sternenstädtchen Swjosdny Gorodok, dieses Mal als Hauptbesatzung für
den Forschungsflug ISS Andromède. Ihr Ersatzmann war der Italiener
Roberto Vittori. Zur Ausbildung gehörten auch Schulungen beim CNES
in Toulouse für das französische Forschungsprogramm, das sie
zu betreuen hatte, und im Johnson Space Center für den amerikanischen
Teil der Internationalen Raumstation ISS. Dort traf sie auch die gerade
zurückgekehrte ISS-Expedition 2.
Ihren zweiten Raumflug absolvierte Claudie Haigneré
vom 21. bis 31. Oktober 2001. Zusammen mit Wiktor Afanasjew und Konstantin
Kosejew flug sie mit Sojus TM-33 zur Internationalen Raumstation ISS, wo
sie die ISS-Expedition 3 antrafen. Nach einer Woche erfolgte die Landung
mit Sojus TM-32.
Im Juni 2002 wurde ihr das Amt der Ministerin
für Forschung und neue Technologien der französischen Regierung
unter Premierminister Jean-Pierre Raffarin übertragen. Ab 30. März
2004 war Claudie Haigneré französische Europaministerin, ebenfalls
unter Raffarin, verlor dieses Amt aber wieder am 31. Mai 2005 mit seinem
Rücktritt.
Seit November 2005 ist sie bei der ESA im Management
("Adviser to the Director General; European space policy, participates
in the elaboration of ESA’s strategic direction and adaptation to changes
in the geopolitical environment both at international and European level").
Im März 2009 wurde sie von Valérie
Pécresse, französische Ministerin für Hochschulwesen und
Forschung, und Christine Albanel, französische Ministerin für
Kultur und Kommunikation, mit der Aufgabe betraut, die Zusammenführung
der beiden Pariser Museen Cité des sciences et de l'industrie und
Palais de la découverte unter eine gemeinsame Trägerschaft
zu leiten.[1]
Im September 2001 wurde in Le Creusot, der Heimatstadt
von Claudie Haigneré, ein Asteroid entdeckt, der nach ihr und ihrem
Mann 135268 Haigneré, benannt wurde.
Original-signierte Karte (Format 6.5 x 10.5 cm)
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